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Vielleicht geht dem Volke die Geduld aus, und es wird diejenigen, die andauernd das bayrische Volk bei der Entente verkaufen,
nach der Art traktieren, wie in Italien die Faszisten dem internationalen Gesindel den Respekt vor der Heiligkeit einer Nation
beibringen. Wenn die Herren den Kampf nun darauf einstellen wollen, wir sind bereit und pfeifen auf jeden Paragraphen.
So kann ohne weiteres in München gehetzt werden. So fordert der "Miesbacher Anzeiger" sofort zum Mord auf, wenn er schreibt:
In München haben wir doch mit der Hinrichtung von Eisner und der Prügelstrafe von Magnus "Spinatfeld" den Beweis geliefert,
daß es uns nicht an Temperament fehlt, und daß die Berliner dankbar anerkennen müssen, daß wir ihnen den Landauer durchgetan haben.
Immerhin waren das nur Vorspiele zu größeren Kuren, die wir uns für den Fall gelobt haben, daß sich die Beschnittenen noch
einmal mausig machen. Dann geht's aus dem Vollen.
(Hört! Hört! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.)
Dann heißt es weiter:
Funkspruch an alle Sau- und Regierungsjuden an der Panke, Dahme, Piese, Dosse, an der Havel und an der dreckigen Spree.
Unser Gesamtvolk verachtet euch, eure Befehle und eure Gesetze. Es soll nur ein Jude kommen und uns entwaffnen wollen - den
schlagen wir, daß er in keinen Sarg mehr paßt.
(Hört! Hört! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.)
Es gibt keine Richter in Bayern und keine Polizei, die gegen derartige unerhörte Provokationen einschreitet. All das sind erlaubte
Artikel in Bayern und ich könnte Ihnen davon noch mehr liefern, aber ich will schließen.
Verehrte Anwesende! Das sind die Leute, die leider in Bayern starken Einfluß haben und von Herrn Böhner geschützt werden.
Dagegen, hat sich das bayrische Proletariat in den letzten Tagen erhoben. Diese Regierung, die einseitig die Arbeiter knebelt
und bis aufs Blut reizt, hat die Empörung in der bayrischen Arbeiterschaft hervorgerufen, und der Mord war nur die spontane
Auslösung dieser Empörung.
Herr Böhner hat nun mit eiserner Faust auf den Tisch geschlagen und nicht nur unsere Versammlungen sondern auch den
Trauerzug für den ermordeten Gareis verboten.
(Entrüstete Zurufe links: Pfui!)
Aber die Arbeiter haben trotz aller Gefahren, die für sie
bestanden,, an der Beerdigung teilgenommen.
Am Tag der Beerdigung hat Herr Böhner wahrlich nicht schlecht provoziert. Er hat Panzerautos und Drahtverhaue aufgestellt
und die Lanzenreiter vor den friedlich gehenden Arbeitern aufmarschieren lassen. Es war eine ungeheure Provokation, die sich
Böhner leistete. Aber die Arbeiter haben sich nicht provozieren lassen. Die Rechnung der Herren ging nicht auf!
(Sehr wahr! links.)
Die Mörderbanden dürfen ruhig in Bayern weiter arbeiten. Nach dem Morde an Gareis haben Studenten gesagt, in Bayern müßten erst
4000 bis 5000 von dem Gesindel wie Gareis an die Wand gestellt werden. Dann wäre erst Ruhe. Auf die Frage, ob sie keine Versöhnung
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wollten, gaben diese Herrschaften zur Antwort: "Wir wollen keine Verständigung! Kommunisten sind keine Deutschen, - die erledigt man kalt."
(Abgeordneter Dr. Mittelmann: Da haben Sie recht!
- Große Unruhe und entrüstete Zurufe links. -
Abgeordneter Remmele stürzt sich auf den Abgeordneten Dr. Mittelmann. - Andere Abgeordnete versuchen, ihn zurückzudrängen. -
Andauernde große Bewegung und erregte Wortwechsel.)
Präsident: Die Sitzung ist geschlossen.
(Vertagung der Sitzung 2 Uhr 57 Minuten.)
Präsident Löbe erklärt um 3 Uhr 10 Minuten:
Meine Damen und Herren! Ich hatte vorhin die Sitzung geschlossen. Ich eröffne Sie auch jetzt nicht, sondern teile nur mit, daß
um 3 Uhr 15 Minuten der Ältestenausschuß zur Feststellung des Tatbestandes zusammentritt.
(Abgeordneter Dr. Heim: So ist es recht! -
Zustimmung.) 2
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Die Sitzung wird um 5 Uhr 22 Minuten durch den Präsidenten Löbe wieder eröffnet.
Präsident: Ich nehme die Sitzung wieder auf.
Meine Damen und Herren! Der Ältestenausschuß hat versucht, in der Zwischenpause, die wir einlegen mußten, den häßlichen
Zwischenfall aufzuklären, der sich vorhin bei Schluß der Sitzung ereignete. Meine Damen und Herren! Bei der Reihenfolge
der Ereignisse, wie sie sich aus dem Stenogramm ergeben, wenn sie denn unbestritten wäre, würde ich nicht anstehen - wegen
der Billigung des Mordes, die in dem Zwischenruf des Abgeordneten Dr. Mittelmann liegen müßte -, die schärfste Rüge auszusprechen,
zu der überhaupt Disziplinarvollmachten vorliegen. Der Herr Abgeordnete Dr. Mittelmann hat mir aber eine Erklärung überreicht.
(Abgeordneter Hoffmann (Berlin): Der lügt immer!
- Unruhe und Pfuirufe rechts; - Glocke des Präsidenten)
- ich bitte aber! -, die inhaltlich wie folgt lautet:
Als der Abgeordnete Unterleitner aus einer Zeitung das Zitat vorlas: ""die Kommunisten sind gar keine Deutschen", machte ich
den Zwischenruf: da haben sie recht". Das weitere Zitat "deshalb müssen sie kaltgemacht werden" habe ich sowie meine Umgebung nicht vernommen.
(Lachen bei den Vereinigten Kommunisten.)
Schon deshalb konnte sich mein Zwischenruf nicht auf dieses weitere Zitat beziehen. Aus diesem Grunde war mir die Erregung auf
der äußersten Linken auch vollkommen unverständlich.
(Lebhafte Zurufe von den Vereinigten Kommunisten.)
Meine Damen und Herren! Ich stehe trotzdem auf dem Standpunkt, daß ich mein tiefes Bedauern gegenüber dem Abgeordneten Mittelmann
aussprechen muß, daß er in
2S. 3950C
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